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Bücher mit dem Buchstaben: T




"Tagebücher 1945" Josef Goebbels

Der Herr Propagandaminister hat in seinen interessanten Jahren sehr intensiv Tagebuch geführt. So gibt es unter anderem eine fünfbändige Ausgabe seiner Memoiren zu kaufen, die auch schon lesebereit in meiner Leseecke wartet. Aber bevor ich mich daran wage, habe ich erst mal das über 600 Seiten dicke Extrabuch gelesen, dass nur die Aufzeichnungen vom 28. Februar bis zum 10. April 1945 beinhaltet. Im großen und ganzen umfasst dieses Buch also die Zeit, die man schon aus dem Film "Der Untergang" gut kennt - ohne das bittere Ende freilich. Hier kann man in Ruhe vergleichen, inwieweit die meiner Meinung nach völlig überzogene Darstellung der Person Goebbels im Film den Tatsachen entspricht. Weil ich gerade bei "Der Untergang" bin: Erinnert ihr euch noch an die Passage, in der Hitler über einer Landkarte darüber brütet, dass man sich bald die rumänischen Ölfelder sichern sollte? Ausgerechnet zu einer Zeit, wo die Russen schon unmittelbar vorm Führerbunker stehen, so dass die Szene den Führers völlig irre erscheinen lässt? Nun, laut den Goebbels-Tagebüchern erscheint die Episode in einem völlig anderen Licht, denn just in den allerletzten Tagen versuchte die Wehrmacht verzweifelt, die ungarischen Ölfelder zu halten und nach einer Verstärkung durch die Waffen-SS unter Sepp Dietrich sogar in die Offensive zu gehen, um sich noch weitere Ressourcen zu sichern. Der Kriegsschauplatz der Ölfelder auf dem Balkan war also im Frühjahr 1945 überaus real und unmittelbar aktuell und der Regisseur hat die mangelnde deutsche Geschichtsaufklärung dazu benutzt, die Kinobesucher einfach zu "verarschen".
Zurück zum Buch. Goebbels schreibt sehr nüchtern und zählt vor allem akribisch den täglichen Bericht den OKW auf, d.h. es geht vor allem um die Meldungen von den zahllosen Fronten, die sich immer enger ums Reich zusammenziehen. Und es geht vor allem um sehr viel Hoffnung, denn Goebbels versteht es erstaunlicherweise aus den kleinsten Fronterfolgen, aus jedem Streik in England und aus jedem innenpolitischem Streit innerhalb der Feindstaaten Zuversicht zu schöpfen für eine Wende des Krieges. Das macht ihn beim Lesen fast schon richtig sympathisch und man ertappt sich immer wieder, mit den Verteidigern mitzufiebern. Das scheint der Verleger dann auch bemerkt zu haben, denn er hat dem Buch ein 35seitiges Vorwort von Rolf Hochhuth vorangestellt, in dem Goebbels so unglaublich niedergemacht wird, dass von einer freien Meinungsbildung keine Rede mehr sein kann. Der Artikel ist so hoffnungslos übertrieben, dass es auf den Hauptinhalt des Buches umso mehr neugierig macht. Kommen wir zum wichtigsten Punkt des Buches: der Authenzität.
Während ich mir in "Monologe im Führerhauptquartier" absolut sicher war, dass die Worte wirklich von Hitler stammten (so spricht nur einer), war ich mir das bei den Goebbels-Tagebüchern überhaupt nicht. Ich bin mir sogar jetzt noch nicht ganz sicher, ob die Bücher wirklich vom Propagandaminister stammen oder nicht vielleicht doch gefälscht sind. Für eine Fälschung sprechen vor allem der teils nüchterne, teils familiäre Ton der Aufzeichnungen, der überhaupt nicht zu seiner Person passt, die man z.B. aus seinen Sportpalastreden kennt. Das ist natürlich nur mein subjektiver Eindruck, man kennt Goebbels schließlich nicht privat. Gravierender fand ich die Verwendung bestimmter Worte, die ich Goebbels nicht zugetraut hätte. Zum erstenmal war ich skeptisch, als er vom "Eisernen Vorhang" schrieb. Ein Begriff, der allgemein hin Churchill zugeschrieben wird - und zwar aus der Zeit NACH dem Krieg. Ich habe danach lange recherchiert, bis ich herausgefunden habe, dass Churchill keineswegs der Erfinder dieser Bezeichnung war (wie offiziell immer wieder versichert wird), sondern dass der Begriff erstmals bereits im Februar 1945 in einem Artikel in der Zeitschrift "Das Reich" zu lesen war - verfasst von Josef Goebbels!
Das sprach dann schon wieder eher FÜR die Echtheit des Buches, auch wenn mir einige von Goebbels in dem Buch verwendeten Vokabeln wie "ausgeknockt" und "übertourt" immer noch seltsam vorkommen. Empfehlenswert ist es all denjenigen, die militärhistorische Informationen über die letzten Kriegswochen aus allererster Hand erfahren wollen und darüber hinaus nebenbei einen kleinen Einblick in das Leben des Propagandaministers nehmen wollen.
So richtig wertvoll wird das Buch nach dem Ende der Tagebuchaufzeichnungen - denn da finden sich außer diversen Personen- und Sachregistern so interessante Dokumente wie das politische Testament Adolf Hitlers, persönliche Briefe von Magda und Josef Goebbels, die Rundfunkansprache von Großadmiral Dönitz an das deutsche Volk vom 1. Mai 1945 und der genaue Inhalt der Kapitulationsurkunde vom 8. Mai.
Zu kaufen gibt's das gute Buch neu leider nicht mehr, aber bei Ebay wird man für ein paar Euro noch fündig.

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"Tintenherz" Cornelia Funke

Wir alle kennen das. Da nimmt man das dicke, neuerstandene Buch in die Hand, schlägt es erwartungsvoll auf und sieht: Nichts. Weil man nach einmal Umblättern den weißen Einband vor sich hat. Bei "Tintenherz" ist das nicht so! Man schlägt es auf und bestaunt eine weinrote, samtige Aufmachung, die so richtig Lust auf Lesen macht.
"Jedes Buch sollte mit so einem Papier beginnen [...] Am besten mit einem dunklen: dunkelrot, dunkelblau, je nachdem, wie der Einband des Buches ist. Wenn du dann das Buch aufschlägst, ist es wie im Theater: Erst ist da der Vorhang. Du ziehst ihn zur Seite und die Vorstellung beginnt", sagt dann auch Mo, eine der Hauptfiguren, im Verlauf des Buches.
Warum ich "Tintenherz" trotz des verhältnismäßig hohen Preises von knapp 20,- Euro gekauft habe? Es waren genau drei Gründe: Erstens war das Buch monatelang in den Amazon-Verkaufscharts ganz weit oben, was für ein deutsches Fantasy-Märchen schon mal bemerkenswert ist. Zweitens tauchte es in der hier schon so oft zitierten ZDF-Liste "Die Lieblingsbücher der Deutschen" ebenfalls überraschend weit vorn auf, nämlich auf Platz 11 und damit nur zwei Plätze hinter Harry Potter. Und drittens macht es optisch einfach was her. Wenn ihr im Geschäft die Gelegenheit dazu habt, nehmt es einfach mal in die Hand und blättert darin herum. Es liegt fantastisch gut in der Hand, der Text ist irgendwie übersichtlicher gegliedert als man das sonst kennt, die Kapitel sind allesamt mit liebevoll herausgepickten Zitaten aus diversen Klassikern eingeleitet und die Geschichte klingt so einfach, hat so eine kindliche Sprache und ist doch so feinsinnig und reizvoll, dass man es vom Fleck weg kauft. "Tintenherz" ist so gesehen z.B. ein wundervolles Weihnachtsgeschenk: teuer, eindrucksvoll und schön.
Inhaltlich dagegen hatte ich nach der Lektüre einen etwas zwiespältigen Eindruck. Die Geschichte ist zwar superoriginell, ziemlich spannend und richtig schön verträumt und märchenhaft geschrieben. Die ganzen Vorschusslorbeeren, die tolle Aufmachung und der genial aufgebaute Spannungsbogen sorgten dann aber bei mir für eine derartig hohe Erwartungshaltung, dass ich am Schluss des Buches sogar ein klein wenig enttäuscht war. Aber wirklich nur ein klein wenig, denn bereut habe ich den Kauf an keiner Stelle und Langeweile kommt auf keiner einzigen der über 570 Seiten auf. Und außerdem hat die Autorin ja angekündigt, dass "Tintenherz" nur der Auftakt zu einer Trilogie ist - man kann sich also auf eine Fortführung der Geschichte freuen!
Ich will vom originellen Inhalt eigentlich gar nichts verraten - nur kurz soviel: Es geht um die junge Meggie, die am liebsten den ganzen Tag liest, es geht um ihren Vater Mo, der so etwas ähnliches ist wie ein Arzt für Bücher und der vom windigen "Staubfinger" geheimnisvollerweise immer "Zauberzunge" genannt wird und es geht um den bösen "Capricorn", der nichts so gut kann, wie anderen Angst machen. Und es geht natürlich um Bücher. Um ganz viele Bücher. Und die von ihren zahlreichen anderen Romanen her bereits bestens bekannte Cornelia Funke beschreibt Bücher so, wie ein Verliebter den Gegenstand seiner Liebe beschreiben würde. Voll tiefer Verehrung und geradezu anbetungsvoll. Die tollen Charaktere, die kindliche Sprache und die rätselhaften Geschehnisse ergeben dann auch jenen so seltenen Mix, aus denen einfach gute Bücher gemacht werden. Man darf hierbei keinen zweiten "Herr der Ringe" erwarten, aber wer ein verträumtes Fantasybuch in einer wirklich wunderhübschen Aufmachung sucht, der sollte sich "Tintenherz" unbedingt einmal ansehen. Vor allem für Leute, die nicht sehr viel lesen und sich eher nur an unkomplizierte Literatur wagen, ist es eine sehr gute Empfehlung und ein Top Geschenk!

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"Tränen der Götter" Morton/Thomas

Heute geht es um ein Buch, daß bei seinem Erscheinen doch (zumindest in den ganzen Foren) für ziemliches Aufsehen gesorgt hat, weil es ein Thema anschneidet, dass in dieser Form überhaupt noch nicht in einem Sachbuch zu finden war.
"Tränen der Götter" von Chris Morton und Ceri Louise Thomas dreht sich um die berühmt berüchtigten Maya-Kristallschädel! Für diejenigen, die die Geschichte nicht kennen: In uralten Mayatempeln sind mehrere sehr alte Schädel aus reinem Bergkristall gefunden worden, deren Herstellung selbst heute mit modernster Technik unmöglich ist. Den ganzen Hintergrund der Geschichte, ihre Entdeckung, ihre heutigen Besitzer, die fruchtlosen Versuche sie nachzubauen oder ihnen zumindest ein Teil ihres Geheimnisses zu entreißen - das alles findet man in dem interessant geschriebenen Buch.
Natürlich werden die esoterischen und religiösen Seiten nicht vergessen, da geht es um alte Prophezeiungen, darum, dass die Kristalle sowohl heilen als auch als gewaltige Wissensspeicher fungieren und auch darum, dass ihn ihnen Bilder zu sehen sein können. Das Thema ist wirklich spannend und voller Rätsel und das Buch ist exzellent recherchiert!
Die gebundene Ausgabe hat viele schöne Fotos und ist über 420 Seiten dick.

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"Die Truhen des Arcimboldo" Hanjo Lehmann

Ich habe "Die Truhen des Arcimboldo" gelesen, weil ich schon viel über das Buch gehört hatte. Die Beschreibungen waren vielversprechend: 200 000 mal verkauft, historischer Bezug und Verschwörungstheorie in der Kirche, also habe ich es mir gekauft, um mitreden zu können.
Erstmal zu den positiven Eindrücken - die Geschichte ist sehr originell verfasst, supereinfach zu konsumieren und auch geschichtlich sehr interessant.
ABER:
Diese verschollenen Evangelien sind doch arg an den Haaren herbeigezogen, das Buch besteht zum großen Teil aus explizit beschriebenen SM-Praktiken, die dermaßen übertrieben sind, dass das Werk schon als Pornoroman durchgeht. Nicht dass es dadurch uninteressant wird, aber eigentlich hatte ich etwas anderes erwartet. Wozu in einem religionsgeschichtlichen Roman fast ausschließlich um wüsten SM-Sex geht, ist mir echt schleierhaft - vermutlich lassen sich damit aber die Verkaufszahlen erklären... Selbst vor den angeblich zensierten Evangelienspassagen macht der Sex nicht halt - bis hin zur Verehrung der Exkremente Jesu - da bekommt der Begriff "Heiliger Stuhl" eine völlig neue Bedeutung...
Nun gut, 700 Seiten für damals 20,- DM, recht spannend geschrieben, kann man durchaus zum Kauf empfehlen. Wenn sich der Autor die gewissen (für die Story wirklich völlig nutzlosen) Passagen gespart hätte, wäre sogar ein richtig gutes Buch draus geworden. Wer die katholische Kirche nicht mag und auf SM steht, für den wird es wahrscheinlich ein Kultroman sein, denn im Prinzip ist es nur eine einzige mit Sexszenen durchsetzte Hasstirade auf die Kirche.
Hm, weiterempfehlen muss man es eigentlich nicht, aber der totale Fehlgriff ist es auch nicht, denn wie eingangs erwähnt - es ist gut zu lesen und historisch betrachtet durchaus originell und interessant.

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