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← Achtung: Pflichtlektüre! Bücher mit dem Buchstaben: N |
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"1984" George Orwell |
Der Buchtitel ist zum Symbolwort für die totale Überwachung geworden, das Buch selbst neben Huxleys "neuer" Welt zum Klassiker düsterer Zukunftsvisionen. Düster, schmutzig und ohne jede Hoffnung ist die Story von den in "Ozeanien" lebenden Protagonisten, die in einem wahren Schreckensstaat dahinvegetieren, in dem jeder jeden bespitzelt und in dem kein Privatleben existiert. Die furchteinflößende Geschichte vom "Big Brother", von den unbekannten Kriegen, von den Folterungen in Zimmer 101 und von dem Niedergang der Gesellschaft fährt in Mark und Gebein und lässt den Leser nicht mehr los. Man schwankt beim Lesen ständig zwischen nackter Angst vor der Zukunft und maßloser Wut darüber, dass schon soviel aus diesem Buch Einzug in die Realität gefunden hat. "1984" ist ein Mahnmal für den Kampf gegen Willkür und Überwachung und absolute Oberpflichtlektüre für jeden! zurück zur Übersicht |
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"Nach dem großen Feuer" Wolfgang Hohlbein |
Wolfgang Hohlbein ist ein vielgescholtener Autor. Kaum jemand aus dem Genre der Fantasyliteratur in Deutschland wird so belächelt und schlecht gemacht - aber trotzdem verkauft kaum ein anderer so viele Bücher. Hohlbein ist ein Vielschreiber. Alle paar Monate erscheint ein neues Werk von ihm, er fliegt nur so durch seine Geschichten, ja begeht zum Teil sogar gröbere Fehler darin. Wer geistigen Hochgenuss erwartet und eine ausgefeilte Handlung mit unvergesslichen Charakteren erleben möchte, der braucht ein Hohlbein-Buch nicht einmal in die Hand zu nehmen. Warum ich trotzdem einen Hohlbein vorstelle? Ich habe seit "Rückkehr der Zauberer", einem durchaus ansprechendem Titel, wohl über zwanzig Bücher von ihm gelesen - und dass, obwohl ich auch sehr gern in das Konzert seiner Kritiker mit einstimme. Warum aber liest man zwanzig Bücher von einem Autor, den man nicht mag? Es gibt einen Grund: Auch wenn seine Storys noch so schwach konstruiert sind, seine Dialoge hölzern und seine Charaktere stereotyp - eins hat Hohlbein seinen Kollegen aus der Schreiberzunft weit voraus: Er versteht es wie kein zweiter, Spannung zu erzeugen! Man liest ein Buch von ihm oft an einem Tag aus, ärgert sich dann über das schwache Ende und ertappt sich immer wieder dabei, das nächste Hohlbein-Buch aus dem Regal zu fischen. Und wehe, man beginnt es zu lesen! Der Autor schafft es nämlich, dich zu fesseln und zu umgarnen und inmitten seiner atemlosen Spannung wagt man es kaum mit dem Lesen aufzuhören! Und da stört das oft vorhersehbare Ende genauso wenig wie der nichtssagende Protagonist - es macht trotzdem einfach Spaß. Und genauso ist es mit dem vorliegenden Buch. "Nach dem großen Feuer" ist eigentlich eine ungeheuer platte UFO-Entführungsgeschichte mit einer eher für die 50er Jahre typischen Monsterstory und das Ende ahnt man schon, bevor die Geschichte richtig ins Laufen gekommen ist - aber man MUSS das Buch einfach lesen! Ich habe es angefangen, war nach zwei Kapiteln gefangen und habe es in einem Ritt durchgelesen. Kürzlich habe ich es unvorsichtigerweise wieder in die Hand genommen, um herauszufinden, was genau denn am Vielschreiber Hohlbein so faszinierend sein kann, fing an zu lesen - und war wieder verloren bis zum Ende! Von allen seinen Büchern ist "Nach dem großen Feuer" wohl das typischste und beste! Und wenn die Helden schon zum dreißigsten Mal aus völlig aussichtsloser Lage entkommen - man kann einfach nicht aufhören zu lesen, weil sie nur so von einem spektakulären Abenteuer zum nächsten hetzen. Und Hohlbein übertreibt so kräftig in diesem Buch, dass es wirklich unglaublich ist. Immer ist es stärkste Monster, der gefährlichste Feind, die heißeste Wüste, der höchste Berg, das stärkste Gift; "Nach dem großen Feuer" ist einfach eine 318 Seiten lange Aufzählung von Superlativen und besitzt dabei soviel eigenen Charme, dass es schon als Kultbuch durchgeht. Fazit: Wer sich ohne literarische Tiefe wirklich superspannend unterhalten lassen will, kann gern die ca. sechs Euro investieren. Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand mit diesem Buch langweilen wird. Es kann eher passieren, dass man nach der letzten Seite orientierungslos aufschreckt und seine letzten Mahlzeiten und seinen Schlaf nachholen muss. zurück zur Übersicht |
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"Narziß und Goldmund" Hermann Hesse |
"Narziß und Goldmund" ist Literatur von einem anderen Stern. Ich weiß gar nicht, wie ich dieses Buch objektiv beschreiben soll, ohne seitenlang Superlative aneinander zureihen. Ein Rückblick dazu: Mein erstes Hesse-Buch war "Der Steppenwolf" - ein von Kritikern hochgelobtes Werk, das mir persönlich aber nicht sehr zugesagt hat. Ich empfand es als verworren, gekünstelt, zu fremd und zu experimentell. Einfach nicht mein Geschmack. Danach las ich "Das Glasperlenspiel" und war restlos begeistert, es ist eines meiner Lieblingsbücher geworden. Dann aber wagte ich mich an "Narziß und Goldmund" und war schon nach wenigen Seiten von seiner Schönheit tief betroffen. Das da war nicht einfach ein Buch, eine bloße Geschichte, nein es war Kunst am Wort in nie da gewesener Vollendung. Selten zuvor habe ich so entzückend formulierte Beschreibungen, so staunenswerte Charaktere, so liebevolle und detaillierte Schauplätze gesehen, wie beim Lesen dieses Meisterwerkes. Es enthält nicht einfach nur Sätze, sondern kunstvolle Konstruktionen, bei denen jedes noch so unscheinbare Wörtchen genau dort platziert wurde, wo es seine bestmögliche Wirkung entfaltet. Selbst Gebäude oder Bäume hab ich noch nie so wunderhübsch dargestellt bekommen. Das Werk ist schlichtweg ein Genuss, ich habe mir für die wenig mehr als 300 Seiten sehr viel Zeit genommen, hab jedes Wort, jeden Satz, jede Szene genossen, ja manche Sätze mir mehrmals selbst noch mal laut vorgelesen vor Entzückung. Die Handlung von "Narziß und Goldmund" ist im Mittelalter angesiedelt, die beiden namensgebenden Hauptcharaktere sind zwei zauberhaft beschriebene Jünglinge, die behütet vor der Welt in einem Kloster leben und dort ihren intellektuellen Beschäftigungen nachgehen, ohne viel vom Leben außerhalb ihrer Mauern zu erfahren. Das ändert sich jedoch, als Goldmund wegen einer Zufallsbegegnung mit einer reizvollen Unbekannten Hals über Kopf sein Kloster, seine Freunde, ja sein gesamtes bisheriges Leben aufgibt, das Kloster verlässt und danach vagabundierend durchs Land zieht. Ein Großteil des Werks besteht danach aus den virtuosen Beschreibungen seiner zahlreichen Abenteuer zwischen Kunst und Krieg, Liebe und Hass, Leben und Tod. Was so ein Landstreicher im dunkelsten Mittelalter über viele Jahrzehnte hinweg alles erdulden musste, konnte ich bislang bestenfalls erahnen. Seit "Narziß und Goldmund" WEISS ich es, denn ich war dabei! Ich habe richtige Erinnerungen behalten, ich sehe den gewaltigen Kastanienbaum vorm Klostereingang in Mariabronn, ich sehe die traumhafte Skulptur der Maria, derart vollkommen erschaffen vom Meister Niklaus, dass sie den ruhelosen Goldmund zu jahrelanger Sesshaftigkeit zwang, ich sehe das grauenvolle, abgelegene Bauerngehöft, angefüllt mit Pesttoten, ich sehe die blutjungen Ritterstöchter Lydia und Julie zusammen bei ihm liegen und ich sehe seinen Freund Narziß vor mir. Ich kann mich nicht erinnern, jemals vom literarischen Wert eines einfachen Buches derart begeistert gewesen zu sein. Die Geschichte ist nicht nur unglaublich kunstvoll geschrieben und ausgeschmückt, nein sie ist auch noch äußerst spannend und lässt den Leser so richtig mitleiden. Es erinnert mich ein wenig an "Die Säulen der Erde", weil es im ähnlichen Zeitraum handelt, ein ganzes Menschenleben umfasst und ebenfalls zwischen größtmöglichem Glück und allertiefster Verzweiflung hin und her wechselt. Nur dass Hesse natürlich kunstvoller schreibt. Und unter uns, so von Leser zu Leser: Hermann Hesse kann, was ich niemals für möglich gehalten hätte, durchaus von erotischen Dingen berichten und diese auch noch ebenso gut beschreiben. Denn Goldmund ist, im Vertrauen gesagt, ein ganz schöner Schlawiner. Bei Hesse wirken diese ganzen Liebesabenteuer aber niemals aufgesetzt oder schmutzig, sondern immer traumhaft schön und romantisch - auch das ist eine der ganz großen Stärken in diesem Buch. Ich könnte jetzt so bis Weihnachten weiterschreiben, aber das erspare ich mir und euch und kürze das ganze ab auf drei Worte: "Lest das Buch!" Ich weiß nicht, ob andere genauso empfinden, aber ich denke schon, denn "Narziß und Goldmund" ist ein Stück Kunstgeschichte für sich, zählt (lt. ZDF Umfrage) noch immer zu den beliebtesten Büchern der Deutschen und hat auch erheblich dazu beigetragen, dass der Autor 1946 den Nobelpreis für Literatur bekommen hat. Vor allem jene, die Literatur nicht nur als Unterhaltung betrachten, sondern als Kunstform, werden ihre Freude an dieser Geschichte haben. Story, Handlung, Personen, Ausdruck und künstlerischer Anspruch allesamt Note Eins mit Auszeichnung. Doppelplus gut sagt man heute glaub ich. zurück zur Übersicht |
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"Nicht nur freche Sprüche" Gregor Gysi |
Heute mal das Buch eines Politikers! Eigentlich befinde ich Politiker nahezu ausschließlich für unfähig, korrupt und dämlich - aber es gibt einen, dem ich das nicht unterstellen kann, auch wenn ich ihn nicht unbedingt liebe und die meisten hier bestimmt erst recht nicht. Ich rede von Gregor Gysi und seinem Buch "Nicht nur freche Sprüche". Von Gysi gibt es mehrere Bücher - dieses eine habe ich mir irgendwann einmal stellvertretend für alle anderen besorgt und muß sagen: es ist einfach klasse! Es ist nicht nur irgendein Buch eines Politikers, sondern ein überaus unterhaltsames Sammelsurium aus Briefen, Interviews, Chats, Kommentaren und größtenteils witzigen Bundestags-Anekdoten. Der Gregor vertritt dabei in fast allen Dingen eine ganz eigene Meinung und das ist auch das besondere, was ihn von anderen Politikern unterscheidet. Ich erinnere mich noch gut an seine brillante Argumentation, als er als einziger (neben Ströbele) im Bundestag gegen den eben ausgebrochenen Angriff auf Jugoslawien protestierte. Er fordert eine Begrenzung des monatlichen Höchsteinkommens auf 25 000 DM und prangert Daimler Benz und Siemens an, die 0% bzw. 7% Steuern zahlen! Er berichtet, dass die 365 Dollarmillionäre auf der Welt genauso viel besitzen wie die ärmeren 45% der Weltbevölkerung und dass das allein schon für jeden ein Grund sein müsste, Sozialist zu werden. Er kritisiert die Commerzbank, die trotz einer Gewinnverdopplung 20% Steuern WENIGER bezahlt. Ebenso bemerkenswert sein Artikel GEGEN Europa und den Euro - auch er will (bzw. wollte...) einen Volksentscheid. Und seine Frage an Geheimdienstkoordinator Schmidtbauer, dem er auf dem Flughafen mit folgenden Worten begegnete: "Müssen Sie mich jetzt schon selbst beobachten?" Okay, jetzt reichts mit Auszügen. Wer ein äußerst kurzweiliges, witziges und auch sehr informatives Politikbuch sucht, ist mit Gysis Werk gut beraten - ich habe es jedenfalls mit großem Interesse gelesen. Es ist knapp 300 Seiten dick und sehr unterhaltsam, trotz Gysis wie immer sehr brüderlichen Titelfotos. zurück zur Übersicht |
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Nordkorea - Einblicke in ein rätselhaftes Land" von Christoph Moeskes |
Um es gleich vorwegzunehmen: "Nordkorea" ist mehr als nur ein unscheinbares Taschenbuch, mehr als ein schnöder Reisebericht oder ein beliebiges Sachbuch. Es ist auch keine politische Publikation und auch kein Pamphlet, in dem über die Machthaber Nordkoreas gehetzt wird. Es ist ein gewagter Versuch, das Leben und den täglichen Kampf der einfachen Menschen Nordkoreas einzufangen und zu Papier zu bringen. "Nordkorea", das sind 26 Kurzberichte prominenter und weniger prominenter Menschen, denen es gelungen ist, ein paar Tage in dem stalinistischsten aller Staaten zu verbringen. Berichte von Botschaftern, Entwicklungshelfern, Urlaubern, Korrespondenten - eine bunte Mischung unglaublicher, kurioser und auch tragischer Erzählungen. Die Berichte sind alle sehr kurz und direkt verfasst (das Buch hat ja auch nur 240 Seiten) und die Erlebnisse der Autoren sind so verschieden wie ihre Beweggründe. Aber alle der 26 Geschichten sind absolut lesenswert. Ein paar Beispiele: Da ist eine nahezu menschenleere Hauptstadt, völlig leere Autobahnen (bis auf ein paar Ochsenkarren und einem Traktor mit Holzvergaser), aber des Nachts sieht der Autor auf dem Bahnhof einen durchfahrenden Zug, der so überfüllt ist, dass die Menschen draußen dran hängen und sogar das Dach voller Reisender ist. Da erfährt man, dass der Führer Kim Yong Il Flugangst hat und deshalb zum Staatsbesuch nach Moskau geschlagene drei Wochen mit der Eisenbahn durch Sibirien unterwegs war. Dass es in Schulen, Betrieben und Kasernen extra Prunkzimmer gibt voller Büsten des alten und des neuen Führers, die nur zum Lesen ihrer Bücher genutzt werden. Diese Zimmer sind meist die einzigen, die auch beheizt werden und die Bürsten, mit denen die Statuen geputzt werden, sind liebevoll in extra Schatullen aufbewahrt. Ein jeder Nordkoreaner muss ein Abzeichen mit dem Bild des Führers tragen (der zusammen mit seinem Vorgänger offiziell 10.800 Bücher geschrieben haben soll - das glauben die sogar selbst!), die Wasserversorgung ist so schlecht, dass Wassereimer außen am Haus an Seilen bis in den zwölften Stock hochgeleiert werden und 40% aller Vorschulkinder sind unterernährt. Oder solch kuriosen Geschichten, dass Frauen in Pjöngjang nur dreirädrige Fahrräder benutzen dürfen. Oder die Story, die so absurd ist, dass ich sie hier kurz wiedergeben muss: Zwei ausländischen Diplomaten geht bei einem Jagdausflug im Gebirge bei minus 30° Grad das Auto kaputt. Sie schlagen sich zu einer abgelegenen Bauernhütte durch. Der verängstigte Bewohner dort sagt, dass es ihm verboten sei, mit Ausländer zu reden. Er sieht aber ihre Notlage ein, gewährt ihnen ein Quartier über Nacht und hilft ihnen anschließend bei der Autoreparatur. Als sie sich ein paar Tage später bei ihm noch mal bedanken wollen und zu ihm rausfahren, ist die Hütte verschwunden!!! Völlig entsetzt kommen die Diplomaten auf eine geniale Idee. Sie verschweigen das Verschwinden der Hütte und seiner Bewohner und stellen ihre Rettung bei der nordkoreanischen Regierung als einen Akt der Völkerverständigung dar, der das nordkoreanische Volk als Helden darstellt. Sie stellen den offiziellen Antrag, sich im Namen ihrer Regierung bei dem Bauern bedanken zu dürfen. Dem Antrag wird einen Monat später tatsächlich stattgegeben. Erwartungsvoll fahren sie zu dem Platz raus, an dem früher die Hütte stand und ... finden ein nagelneues Haus vor! Der Bauer behaupt knapp, er sei auf Dienstreise gewesen. Und so geht es das ganze Buch hindurch. Mal erscheint es einem als groteske Kuriositätensammlung aus dem Land des Personenkultes, dann wieder muss man entsetzt den Kopf schütteln und dann sogar wieder lachen. Und auch die Hoffnung zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Werk. Ein bemerkenswertes Buch, dass trotz den hohen Preises von 15,90 Euro sein Geld wert ist. zurück zur Übersicht |
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