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Bücher mit dem Buchstaben: M




"Machtwechsel auf der Erde" Armin Risi

Der Autor widmet sich in diesem Werk nahezu jedem Aspekt von Weltverschwörungstheorien und auch religiösen Fragen, aber mit leichter Feder und trotzdem voller Hintergrundinformationen! Es gibt unzählige Bücher zu diesen Themen und ich habe auch ganze Regalreihen davon gelesen, aber keines davon war bisher so informativ und trotzdem so locker geschrieben! Ein paar Themen:
Zunächst geht es um das "Böse" an sich - um Luzifers Sturz, um die Rolle des Bösen in der menschlichen Entwicklung, um Dunkelwelten, um die Konsequenzen des Materialismus und den Sinn von Heil und Unheil. Es ist esoterisch, aber auch religiös und wer nicht gerade ein Fundamentalist ist, wird sich an Risis Argumentationen nicht stoßen. Mir hat es jedenfalls viel gebracht - vor allem die Sichtweise über den Engelssturz empfand ich als genialen Denkanstoß!
Desweiteren geht es um die geheime Weltregierung, um Logen-Hierarchien, Geheimgesellschaften, Templer, um die neue Weltordnung und die Merowinger. Anschließend greift Risi das Geldproblem auf, beschreibt die ganze Entwicklung der Banken bis zum heutigen, unmöglichen Zinssystem, es geht um die Zahl 666, das Tier, implantierte Mikrochips, Prophezeiungen, die Entrückung, die Apokalypse, UFO´s, unterirdische Mächte, Geheimtechnologie, den Garten Eden und das goldene Zeitalter. Eigentlich kannte ich nahezu alle Fakten aus dem Buch, aber dafür hatte ich bestimmt 30 andere lesen müssen! Es ist die ideale Einstiegslektüre, aber durchaus auch für Fortgeschrittene geeignet und es liest sich so flott und locker, dass man es, wenn es nicht so dick wäre (knapp 600 Seiten !!!), in einem Zuge auslesen möchte. Ich halte es für das beste Verschwörungsbuch auf dem gesamten Markt und kann es nur allerwärmstens weiterempfehlen - nach der Lektüre hat man ein völlig anderes Weltbild!!!

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"Maitreya - Christus oder Antichrist? Coralf

Der Name Maitreya ist, Gott sei Dank, nicht jedem geläufig. Ich glaube, das war anders geplant. Wer ihn nicht kennt: Maitreya ist eine Person, die gern ein religiöser Führer sein möchte, sich selbst als Christus bezeichnet, Jesus lediglich als seinen Jünger betrachtet und sich als künftiger Weltenlehrer sieht. Als ich in vergangener Zeit davon gelesen hatte, wollte ich unbedingt mehr wissen und suchte nach Büchern über ihn. Gefunden hab ich damals leider nur die Werke seines "Pressesprechers" Benjamin Creme mit so wohlklingenden Titeln wie "Botschaften von Maitreya, dem Christus", "Maitreyas Mission" oder "Maitreya. Christus und die Meister der Weisheit". Die Beschreibungen dazu klangen sehr eindrucksvoll und religiös.
Heute ist es für den selbsternannten Christus Maitreya zum Glück nicht mehr ganz so einfach alle zu täuschen, denn wenn man heute nach Büchern über ihn sucht, findet man nicht nur Anbetungsliteratur, sondern unter anderem auch ein Buch wie "Maitreya - Christus oder Antichrist?" von Coralf. Und um das soll es heute gehen.
Um es kurz zu sagen: Oberguru Maitreya wird in dem Buch schonungslos entlarvt, alle seine Aussagen zerpflückt und er wird am Ende als das hingestellt, was er nach intensiver Deutung seiner Darlegungen zu sein scheint: der Antichrist. Etwas ungeschickt geht mir der Autor vor, weil er das gesamte Buch so unglaublich religiös verbrämt geschrieben hat, dass es oft eher einer Predigt als einer sachlichen Auseinandersetzung gleicht. Ich könnte mir gut vorstellen, dass interessierte, aber nicht bibelfeste Leser durch die unzähligen Bibelzitate abgeschreckt oder zumindest verwirrt werden. Aber natürlich hat das Buch ja auch ein religiöses Thema zur Grundlage und für mich als Christ sind die Bibelpassagen, mit denen der Verfasser Maitreya widerlegen will, absolut schlüssig und nachvollziehbar - schließlich arbeitet Maitreya ja auch mit (zum Teil verdrehten) Bibelzitaten.
Großartig finde ich die ausführlichen und genauen Ausführungen des Autors darüber, wie die Illuminaten ihre künftige Weltherrschaft mit dem Antichrist an der Spitze einführen wollen und wie ihre Pläne zur Herrschaftsausübung aussehen (zum Beispiel das "Umverteilungsprogramm"). Diesen Punkt fand ich sehr interessant und inhaltlich nachvollziehbar, hier hat der Autor gute Arbeit geleistet. Erst nach diesen Informationen hatte ich das Gefühl, dem Schreiber vertrauen zu können. Auch führt er immer wieder entlarvende Passagen aus Cremes Werken über Maitreya an, die man so auch noch nicht gehört hat - so zum Beispiel die beängstigende Erklärung aus "Maitreyas Mission": "Viele, für die Maitreyas Vorschläge unattraktiv sein werden, werden sich schließlich den neuen Bedingungen anpassen müssen oder sich in entlegene Gebiete zurückziehen müssen - die Alternative wäre Vernichtung."
Womit ich überhaupt nichts anfangen kann, ist diese Geschichte mit der "Übersee-Telefon-Nummer" von Israel, die laut Autor 666 sein soll. Diese Aussage hat er aus Jan van Helsings "Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert" Teil 1 Seite 252 wortwörtlich abgeschrieben. Fast eine ganze Seite, ohne übrigens die korrekte Quelle anzugeben - freches Bürschchen. Trotz intensiver Suche kann ich aber nicht bestätigen, dass die 666 irgendetwas mit einer israelischen Telefonnummer zu tun hat. Die weltweite Landesvorwahl von Israel ist die 00972.
Trotz allem halte ich das Buch für sehr wichtig, damit endlich einmal eine Gegendarstellung zum Hokuspokus des "Weltenlehrers" Maitreya frei zugänglich auf dem Markt erhältlich ist. Ob Maitreya aber wirklich der biblische Antichrist sein soll, wage ich dann doch fast zu bezweifeln. Zu amateurhaft, zu durchsichtig und unbeachtet vollzog sich bisher sein Auftreten. Oder sollte die "dunkle Seite" mittlerweile wirklich schon so schwach sein? "Maitreya - Christus oder Antichrist?" hat 358 Seiten, kostet 17,- Euro und ist ideale Aufklärungsliteratur für alle, die sich speziell mit Endzeit, Offenbarung, Untergangsprophetie und Antichrist beschäftigen.

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"Man kann ruhig darüber sprechen" Heinrich Spoerl

Die Menschen im Dritten Reich waren so ganz anders, möchte man meinen. Irgendwie fern und unwirklich. 1945 muss dann über Nacht die gesamte Bevölkerung ausgetauscht worden sein, denn danach waren wir ja alle nett. Aber es gibt eben doch eine Gemeinsamkeit zwischen den Nachkriegsdeutschen und den imaginären Bewohnern des Dritten Reichs: Sie alle lesen und lasen Bücher von Heinrich Spörl! Auf Spörl bin ich gestoßen, weil ich einfach mal über die Alltagsgewohnheiten unter der NS-Herrschaft recherchierte und dabei auf so etwas wie Bestsellerlisten von Büchern stieß. Damals gab es ja noch keine echten Bestsellerlisten, aber Experten können heute anhand der Auflagen und alten Listen durchaus aussagekräftige Statistiken anbieten. "Mein Kampf" war natürlich die ungeschlagene Nummer eins - aber wirklich gelesen hat das bestimmt kaum jemand und ein Buch zum Sonntag wird das auch nie werden.
Man konsumierte damals nämlich nicht vorrangig Propagandageschichten und Kriegstagebücher wie man uns das heute glaubhaft machen will, sondern man las vor allem liebevolle, manchmal kitschige, manchmal etwas schrullige Alltagsgeschichten - wie die vom heute leider fast vergessenen Heinrich Spörl. Der als Anwalt erfolglose, aber als Schriftsteller umso gesegnetere Ingenieurssohn (er lebte 1887 bis 1955) hat bis heute sage und schreibe 5.000.000 Bücher in Deutschland verkauft - und dabei ist in seiner Heimatstadt Düsseldorf nicht einmal das kleinste Gässchen nach ihm benannt worden und es gibt auch nicht eine einzige Biografie von dem mittlerweile unbekannten Bestsellerautor.
Meine heutige Buchvorstellung ist eine Hommage an Heinrich Spörl, der unter anderem so bekannte Romane wie "Die Feuerzangenbowle", "Der Maulkorb" und "Wenn wir alle Engel wären" geschrieben hat! Das vorliegende Werk habe ich stellvertretend für all seine Bücher ausgewählt, weil es mir erstens ausgezeichnet gefallen hat und weil es zweitens heute nicht so bekannt ist wie die anderen, obwohl es sich allein von 1933 - 45 gleich 700.000 mal verkauft hat!
"Man kann ruhig darüber sprechen" ist ein Sammelsurium an witzigen Kurzgeschichten, die so zeitgemäß und in so moderner Sprache geschrieben sind, dass man kaum glauben mag, wie viele Jahre das Büchlein schon auf dem Buckel hat. Sie scheinen eher aus einem Feuilleton einer aktuellen Kulturzeitschrift zu stammen - nur origineller und witziger! Spörl ist ein Meister der pointierten Sprache, er schreibt kurz, prägnant und voller Wortwitz und kann herrlich skurrile Charaktere entwickeln (aber das wissen wir ja schon seit den liebevoll-absonderlichen Lehrern aus der "Feuerzangenbowle"). Und was bei einem Buch aus einer solch strengen Zeit doppelt auffällt: Heinrich Spörls Figuren proben immer den Aufstand gegen die Autorität. Es ist zwar immer nur ein Aufstand im Kleinen, aber immerhin. Es gibt sogar das Gerücht, das Goebbels seinerzeit die "Feuerzangenbowle" wegen genau dieser antiautoritären Grundstimmung verbieten lassen wollte, aber dass niemand anders als Heinz Rühmann in einem persönlichen Ersuchen beim Führer dieses Verbot abwenden konnte! Und so blieb uns allen ein wahrer Schatz deutschen Humors erhalten. Wer "Man kann ruhig darüber sprechen" in die Finger bekommen sollte, dem empfehle ich unter den 34 Kurzgeschichten vor allem "Päng", "Der Pulverkopf" und "Vom Gelde" - aber eigentlich ist das gesamte, nur 160 Seiten dicke Büchlein äußerst unterhaltsam und kurzweilig. Man liest es an einem Abend bequem aus. Soweit also mein kleiner Lobgesang an einen fast vergessenen Bestsellerautor. So eine Buchvorstellung war schon lange mal fällig - ein Hoch auf Heinrich Spörl.

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"Meine Begegnungen mit C.G. Jung und Hermann Hesse in visionärer Schau" Miguel Serrano

Der große deutsche Psychologe C.G. Jung war nicht die Person, die mich an dem vorliegenden Buch interessiert hat. Interessiert hat mich vielmehr, was der von mir verehrte Schriftsteller Hermann Hesse wohl mit Miguel Serrano zu schaffen hatte und was letzteren wohl dazu bewogen hat, ein Buch darüber zu schreiben. Über Hesse brauche ich wohl nichts mehr zu schreiben - aber ich will ein paar Worte über das Enfant Terrible Miguel Serrano verlieren. Zum ersten mal hörte ich von ihm, als ich sein Buch "Das Goldene Band" las. Nun, dieses Buch war so außergewöhnlich und radikal, dass ich es hier lieber nicht vorgestellt habe. Serrano outet sich in diesem Werk als politisch ultrarechter Magier und Visionär mit einer höchst außergewöhnlichen Sicht der Dinge. Das ist umso erstaunlicher wenn man seinen Lebenslauf kennt, denn der Chilene war jahrelang als Botschafter für sein Land tätig - zuerst in Indien, wo er viel von der dortigen Kultur und Religion in seine Denkweise aufnahm; später in Jugoslawien und Österreich. Diese Tatsache verleiht seinen Ideen (er gilt als Begründer des "Esoterischen Hitlerismus") so etwas wie eine Legitimation, weil er kein einfacher Spinner, sondern ein gebildeter, feinsinniger und hochintelligenter Mensch ist.
Umso gespannter war ich, was der Pinochet-freundliche Serrano, der ein Buch mit dem Titel "Adolf Hitler - Der letzte Avatar" geschrieben hat und sich auch schon mal unter einer übergroßen Hakenkreuzfahne ablichten lässt, mit Hermann Hesse zu schaffen hat; einem der größten Schriftsteller aller Zeiten, der in Bücher wie "Das Glasperlenspiel" eindeutig freimaurerische Ideale verkörpert.
Zunächst mal ist es geradezu rührend, welche Verehrung der noch recht junge Serrano dem großen Hesse entgegenbringt und unter welchen Umständen sie sich kennen lernten. Von ihren konträren Ansichten spürt man rein gar nichts - sie sind einfach nicht da. Die beiden verstehen sich großartig und man hat ständig das Gefühl, als seien sie seelenverwandt und ihre Begegnung vorbestimmt. Serrano verknüpft seine fast andächtigen Berichte ihrer Zusammentreffen mit philosophischen und mystischen Anmerkungen und hinterlässt den Eindruck, dass zwei so außergewöhnliche Menschen sich so sehr schätzen und auf einer so hohen Ebene miteinander kommunizieren, dass so etwas wie Meinungsverschiedenheiten überhaupt nicht geschehen. Ein interessanter und schöner Gedanke. Sehr interessant auch die langen Gespräche mit C.G. Jung, die durch den exklusiven Abdruck einiger persönlicher Briefe Jungs noch eine besondere Note bekommen. Das unscheinbare Büchlein, dass ich mir auf eine Empfehlung hin besorgt habe, hat 150 Seiten und kostet 18,90 Euro. Es ist eine kleine Kostbarkeit und nichts zum schnellen Konsumieren. Empfehlen möchte ich es vor allem zwei Zielgruppen: Erstens den Serrano-Anhängern, die auch mal eine völlig neue Seite an dem radikalen Chilenen entdecken und etwas mehr von seiner Person erfahren möchten - und zweitens natürlich jedem Anhänger von Hermann Hesse. Es hat schon einen Hauch von Magie, den Meister zu seinen Büchern sprechen zu lassen und einen kleinen Einblick in sein Privatleben zu bekommen. Einfach zauberhaft.
Abschließen möchte ich die heutige Buchbesprechung mit einigen Zeilen daraus:
Am 22. Januar 1961 besuchte ich Hermann Hesse in seinem Haus in Montagnola. Wir saßen am Mittagstisch. Vor den Fenstern wirbelten Schneeflocken, doch war der Himmel in der Ferne bereits wieder hell und klar. Ich wandte meine Blicke von der Landschaft ab und begegnete den hellen blauen Augen von Hesse, der mir gegenüber am anderen Tischende saß. "Wie kommt es nur, dass ich hier bin?" fragte ich, meine Worte langsam und sorgfältig wählend. "Wie ist es möglich, dass gerade ich, der von so weither kommt, das Glück hat, an Ihrem Tisch sitzen zu dürfen?"
Hesse schwieg, umspielt vom winterlichen Licht; dann sagte er: "Es geschieht nichts durch bloßen Zufall. Nur die richtigen Gäste kommen hierher. Wir sind vom Hermetischen Zirkel umschlossen."


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"Die Mennyms" Sylvia Waugh

Heute ein echter Geheimtipp! „Die Mennyms“ gehört zu den liebenswertesten, originellsten und einfach schönsten Romanen, die ich je gelesen habe. Ich habe es eines Abends vor dem Schlafengehen zu lesen begonnen und konnte nicht damit aufhören, bis ich es in einem Zuge komplett durchgelesen hatte (so etwa gegen 3:00 Uhr). Und das ist durchaus ein Qualitätsmerkmal, denn so etwas ist mir bisher so gut wie nie passiert.
Zum Inhalt: Die namensgebenden Mennyms sind eine schrullige Familie, die seit nunmehr 40 Jahren ein schmuckes Haus in England bewohnt. Bisher lief ihr gesamtes Leben in geordneten Bahnen – bis ein einziger Brief alles durcheinander bringt. In diesem Brief steht, dass ihr Vermieter gestorben sei und sein in Australien lebender Neffe das Haus geerbt hat. Freilich schreibt dieser Neffe, sie dürften im Haus wohnen bleiben und er freue sich sogar darüber – aber dummerweise freut sich dieser neue Vermieter so sehr darüber, dass er spontan beschließt, den Mennyms in ihrem Haus einen Besuch abzustatten. Was daran schlimm ist? Nun ja – die Mennyms sind keine richtigen Menschen. Sie sind lebensgroße, bunte, auf wundersame Art und Weise zum Leben erwachte Lumpenpuppen!
Die Geschichte ist hinreißend komisch, dann wieder tragisch, dann wieder spannend – und steckt voller liebenswerter, fantasievoller und skurriler Charaktere (z.B. die unglaubliche Miss Quigley), wie es sie in wohl noch keinem Buch gegeben hat.
Ich will gar nicht mehr darüber erzählen – man muss das Buch, dass übrigens nur das erste Buch einer mittlerweile fünfbändigen Reihe ist, einfach gelesen haben. Die gebundene Ausgabe hat 232 Seiten, ist in 39 kurzweilige Kapitel unterteilt und kostet 12,90 Euro. Die mittlerweile pensionierte Autorin Sylvia Waugh ist für das Buch übrigens auch mit einem Literaturpreis ausgezeichnet worden.

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"Mit Gottes Segen in die Hölle" Hans-Christian Huf

Es gibt nur wenige Sachbücher, die so unterhaltsam sind wie ein gut gemachter Roman. Das leicht verständliche und an den interessierten Laien gerichtete "Mit Gottes Segen in die Hölle" gehört unbedingt dazu! Das Thema des Werkes ist der 30jährige Krieg. Der Autor hat wirklich hervorragend gearbeitet, denn er hat dabei nicht nur alte und neue Erkenntnisse verarbeitet, sondern auch selbst sehr viel geforscht. So untersuchte er alte Schlachtfelder mit Metalldetektoren und dokumentiert die Fundstücke, berechnet anhand chemischer Analysen die wahre Todesursache des Schwedenkönigs Gustaf Adolfs, prüft den Zweck der sagenumwobenen "Schrazellöcher", in dem er mit mehreren Helfern einen sehr aufschlussreichen Selbstversuch wagt und misst mittels stoffbezogenen Geleeblöcken annähernd menschlicher Konsistenz die Schusskanäle zeitgenössischer Musketenkugeln. Wenn man dann noch den lockeren, unaufdringlichen Schreibstil und die großartige Aufmachung des Buches hinzuaddiert, kommt man auf ein hochspannendes, lehrreiches und kurzweiliges Buch, wie es zu diesem Thema wohl kein zweites gibt.
Das mir vorliegende gebundene Werk stammt aus der ersten Auflage von 2003, ist etwa 380 Seiten dick und mit ungeheuer vielen, prachtvollen Fotos ausgestattet; von alten Schlachtengemälden, abfotografierten Originaldokumente bis hin zu technischen Abbildungen von Waffen und Geräten. So wird zum Beispiel die Handhabung einer Muskete mit einer ganzen Reihe von qualitativ hochwertigen Farbfotos vorgestellt. Super!
Was macht dieses Thema so interessant, was fällt uns ein beim Schlagwort "Dreißigjähriger Krieg"? Hm, vielleicht Begriffe wie Prager Fenstersturz, Wallenstein oder Westfälischer Frieden? Aber wer kennt die damaligen Geschehnisse schon genauer, wer hat schon einen Eindruck von dem damaligen Ereignissen. Viel zu sehr sind wir geprägt von den später stattfindenden Schrecken wie den beiden Weltkriegen.
Nach diesem Buch bekommt man die Erkenntnis vermittelt, dass der Dreißigjährige Krieg für die deutsche Bevölkerung das schlimmste Ereignis aller Zeiten war, sogar inklusive des Zweiten Weltkriegs! Nahezu die gesamte Zahl menschlicher Ansiedlungen wird in Mitleidenschaft gezogen, wenn nicht gar komplett zerstört und sehr viele Gegenden haben nach Ende der Kampfhandlungen sage und schreibe 2/3 ihrer Bevölkerung eingebüßt. Der Autor beschreibt sehr bildhaft die Schrecken der jahrzehntelang durch Deutschland streifenden gewaltigen Söldnerheere, die von manchmal hunderttausend Menschen begleitet werden, die entweder Familien der Kämpfer sind oder Gesindel, dass sich einfach nur vom Abfall des Krieges ernährt und sich an den Plünderungen beteiligt. Er beschreibt sehr genau den Horror der ärztlichen Feldchirurgie zu Beginn des 17. Jahrhunderts (mit der Amputation ohne Betäubung als wichtigste Behandlungsmethode), das unglaubliche Leben eines Söldners (es gab ja keine stehenden Heere, es wurden einfach mehr oder weniger freiwillig bezahlte Leute aus aller Herren Länder und jedes Glaubens angeheuert) und das schreckliche Schicksal der Besiegten (vielerorts wurden vor Hunger sogar die frisch Gehängten gestohlen!).
Besonders hervorheben möchte ich auch noch, dass der Autor viele Dinge vermittelt, die dem Leser wahrscheinlich neu sein werden. Ich zum Beispiel habe zum erstenmal gelesen, wie "Rotwelsch" klingt - die Sprache der Landstreicher und Zigeuner - mit der sich die ja aus verschiedenen Ländern und Sprachgebieten stammenden Söldner wahrscheinlich oft verständigt haben. Ich habe erfahren, was "gefroren sein" bedeutet: nämlich ein Glaube vieler Soldaten, man könne sich mittels geheimnisvoller Elixiere kugelfest machen. Ich erfuhr, worauf das Verb "magdeburgisieren" (Synonym für auslöschen) zurückgeht. 1631 wurde das protestantische Magdeburg von den kaiserlichen Truppen unter Tilly und Pappenheim erstürmt, alle Gebäude der Stadt (wundersamerweise bis auf den Dom) niedergebrannt und alle Einwohner, derer sie habhaft werden konnten, grausam ermordet. Von den ehemals 30.000 Einwohnern der Stadt wurden 20.000 tot aufgefunden, lediglich ein kümmerlicher Rest von 200 Mutigen wagten ein Jahr später die Rückkehr in die Trümmer und begannen den Wiederaufbau. Und es gab damals sogar spezielle Pflüge, mit denen versucht wurde, auch noch die Felder der Besiegten unbrauchbar zu machen!
All diese Dinge und noch vieles mehr sind nachzulesen in dem äußerst anschaulichen Werk - und ich finde, dass man es den vielen Toten dieser Epoche sogar ein wenig schuldig ist, wenigstens von ihnen gehört zu haben. Vor allem für den Laien ist es ein großartiges und aktuelles Buch, wenn auch mit 25,- Euro sehr teuer (ich hab meins natürlich aus der Bibliothek). Normalerweise empfehle ich immer und zu jeder Gelegenheit günstige Taschenbuchausgaben - aber bei diesem Buch nicht. Zwar kostet das Taschenbuch mit 12,- Euro nicht mal die Hälfte, aber dafür ist es kleiner und liebloser aufgemacht und meiner Ansicht nach auf billigem Papier gedruckt. Die vielen sehenswerten Abbildungen kommen darauf kaum zur Geltung, hab es mir extra im Buchladen angeschaut. Die gebundene Ausgabe hingegen ist ein echter Hingucker - klare Kaufempfehlung! Kleiner Tipp: starke Nerven mitbringen beim Lesen!

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