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"Die Haarteppichknüpfer" von Andreas Eschbach |
Den Andreas Eschbach kennt man als Bestsellerautor von Romanen wie "Das Jesus-Video" oder "Eine Billion Dollar". Also relativ massenwirksamer Stoff für ein großes Publikum. Umso überraschter war ich, als mir sein Romandebut "Die Haarteppichknüpfer" aus dem Jahr 1999 in die Hände fiel. Das Buch ist nämlich einfach nur genial: eine höchst originelle Story, ein unkonventioneller Schreibstil und eine spannende Handlung mit zahlreichen, unerwarteten Wendungen. Die Geschichte spielt in einer bizarren Welt, in der ein absolutistisch regierender, unsterblicher Kaiser einen großen Teil des Universums beherrscht. Auf unzähligen Planeten gibt es die angesehene Kaste der Haarteppichknüpfer, die ihr gesamtes Leben damit verbringen, aus dem Haar ihrer Frauen und Kinder einen einzigen Teppich zu knüpfen. Diese Arbeit ist so schwierig und kunstvoll, dass sie ein ganzes Menschenleben für einen einzige Teppich benötigen. Dieser Teppich wird dann an den (übrigens brillant dargestellten) Kaiser verkauft und der Erlös daraus reicht wiederum ein ganzes Leben lang für den Sohn des Knüpfers, der gleichfalls einen einzigen Haarteppich knüpfen wird. Das Weltbild der Haarteppichknüpfer wird eines Tages zutiefst gestört, als sie die unfassbare und geradezu blasphemische Nachricht erreicht, dass der ewige Kaiser von Rebellen gestürzt worden sei. Die Rebellen wiederum finden im Palast des Kaisers nicht einen einzigen Haarteppich, wo doch seit urerdenklichen Zeiten tausende Knüpfer auf zahllosen Planeten ihre Teppiche an ihn senden. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter den Kunstwerken und wohin werden sie geliefert? Ich war von der ersten bis zur letzten Seite von der unglaublichen Story gefangen. Eschbach versteht es, ein faszinierendes Universum zu beschreiben, dass alle Maßstäbe und alle Wertvorstellungen sprengt und dass süchtig macht. Die Geschichte wechselt fast in jedem Kapitel die Perspektive, oft stirbt völlig unerwartet ein gerade kennengelernter Hauptcharakter und scheidet aus der Geschichte aus oder es tritt eine krasse Wendung ein, die man niemals für möglich gehalten hätte. Wahrscheinlich sind sowohl die nonkonforme Erzählweise als auch die groteske Welt für die Mainstream-Leser zu verrückt - aber ich kann nur an die Literaturinteressierten appellieren, diesem Werk eine Chance zugeben. Ich habe echt selten eine so großartige Geschichte gelesen, die mich dermaßen begeistert hat. Das Buch ist ohne Übertreibung einer der besten und originellsten, deutschen Fantasy/SF-Romane überhaupt! 312 Seiten kosten als Taschenbuch 7,95 Euro! zurück zur Übersicht |
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"Harry Potter" Joanne K. Rowling |
Was ist über diese eigentlich unscheinbare Geschichte nicht alles gewettert und geflucht worden - vor allem von Seiten der Kirchen. Den ganzen Medienhype dazu hielt ich für extrem nervig, und so hatte ich es geschafft, die Bücher jahrelang erfolgreich zu ignorieren. Das änderte sich aber nach dem ersten Kinofilm, den ich mir interessenhalber ansah. Ich fand ihn fantasievoll, unterhaltsam und originell und so besorgte ich mir einfach alle Bände, um sie doch einmal zu lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht: Es gibt nur wenige Bücher, die so spannend und gleichzeitig so schön zu lesen sind! Es sind eigentlich auch keine Kinderbücher, sie sind nur so brilliant geschrieben, dass sie einfach von jedem verstanden werden. Die auf den ersten Blick simple Story ist so unglaublich perfekt arrangiert, dass man selbst nach mehrmaligem Lesen immer noch amüsante Details entdeckt. Da ist wirklich kein Füllwort dabei, alles bekommt irgendwann einen Sinn. Mein Lieblingsbuch von den bisher erschienenen ist übrigens "Der Feuerkelch" - aber empfehlen kann ich wirklich mit ruhigem Gewissen alle (mittlerweile fünf Bände). Ich muss gestehen, dass ich die Bücher bis jetzt sage und schreibe fünfmal komplett durchgelesen habe und es sicher noch mal tun werde. Einfach zauberhafte Literatur. zurück zur Übersicht |
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"Harry Potter und der Halbblutprinz" Joanne K. Rowling |
Eigentlich kann ich mir diese Rezension sparen. Die riesige Menge der fanatischen Leser wird es lesen und der kleine Rest der Ignoranten wird es ignorieren. Und da werde ich auch nichts dran ändern. Außerdem bin ich parteiisch; sehr parteiisch sogar, denn ich lasse nichts auf diese Buchreihe und auch nichts auf die Autorin kommen. Sollte Joanne K. Rowling eines Tages ein Buch mit burmesischen Kochrezepten veröffentlichen - ich werde es kaufen, lieben und mir die Nacht damit um die Ohren schlagen. Der "Halbblutprinz" ist für mich persönlich der schönste Roman der letzten Jahre überhaupt. Die vielen, außergewöhnlichen Charaktere, die einem im Lauf der Jahre so richtig ans Herz gewachsen sind, kommen noch witziger, dramatischer oder vielschichtiger rüber als in dem ebenfalls brillanten Vorgänger "Harry Potter und der Orden des Phönix". Wenn man als Potter-Neuling endlich mal seine Vorurteile (Medienhype, Kinderbuch) aus dem Kopf bekommt, sich einfach von der Geschichte mittragen lässt und sich an der höchstperfektionierten Plotentwicklung begeistert, der wird dem Werk genauso verfallen wie ich. Das Buch ist dermaßen ausgefeilt, dass es seines gleichen in der Literaturgeschichte sucht. Es gibt nicht einen einzigen Satz darin, der nicht entweder die Geschichte oder aber die Charakterentwicklung vorantreibt. Eigentlich ist es deshalb auch ein Musterlehrbuch für Autoren, denn so perfekt hat das noch niemand geschafft wir die unvergleichliche Frau Rowling. Ansonsten ist das Werk natürlich wesentlich dramatischer und reifer als die anderen Teile, weil der, "dessen Name nicht genannt werden darf", seine dunkle Herrschaft über die Zaubererwelt anzutreten beginnt, weil ein wichtiger Hauptcharakter stirbt und weil die Protagonisten mittlerweile auch reifer und erwachsener sind. Aber es ist auch das mit Abstand witzigste Buch der Reihe, weil die Autorin diesmal jede Menge Wortwitz und lustige Einfälle verarbeitet hat. Alles in allem ein Meisterwerk wie immer und ich bin todunglücklich, weil ich es wieder nach nur wenigen Stunden ausgelesen hatte. Bleibt wieder mal nur das Warten auf Band Sieben, dem letzten der Reihe. Ich kann's noch gar nicht glauben, dass dann Schluss sein soll, mein Leben, ja die gesamte Weltliteratur wird an Qualität verlieren ohne den obligatorischen, neuen Potter. Ich darf gar nicht dran denken. Aber bis dahin werde ich noch viele Male die ersten sechs Bände durchlesen und mit den Hauptfiguren lachen und trauern. zurück zur Übersicht |
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"Der Herr der Ringe" J.R.R. Tolkien |
Es geht um nichts geringeres als den größten Roman aller Zeiten. Die Story muss ich nach dem ganzen Kinohype nicht mehr erläutern - aber ich will unbedingt auf das Buch verweisen, denn wer nur den Film gesehen hat, dem entgehen Unmengen an Inhalten. Mir fallen gar nicht genug Superlative ein, die Tolkiens Lebenswerk angemessen würdigen könnten - einfach lesen und in der unglaublichen Welt Mittelerdes versinken. Ich habe bei der Lektüre das Essen und Trinken vergessen und - nachdem ich es in wenigen Tagen verschlungen hatte - nach dem Ende gleich noch einmal von vorn angefangen. Ach ja, eine wichtige Empfehlung noch: Kauft NICHT die anlässlich des Films erschienene Neuübersetzung! Den wahren Genuß bekommt man nur in der alten, nicht mehr erhältlichen Übersetzung von Margaret Carroux, einfach mal bei ebay nachschauen - es lohnt wirklich. Die alte Fassung ist um Längen romantischer und geradezu bezaubernd. Mein Rat dazu: Die Sechsbändige Sonderausgabe im Pappschuber, die als Zugabe sogar noch als siebenten Band eine Ausgabe vom Buch "Der Hobbit" enthält. Wunderschöne Aufmachung in einer traumhaften Übersetzung - da ist der Preis fast schon egal. Ein solcher geistiger Genuss ist nicht mit Gold aufzuwiegen. zurück zur Übersicht |
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"Der Herr der Ringe" - Das Hörbuch - J.R.R. Tolkien |
Es wird es mal wieder Zeit für ein paar beschauliche Stunden - und gerade für diese romantischen Herbstabende hätte ich einen ausgezeichneten Tipp! Man macht es sich Abends auf seinem Lieblingsplatz bequem, Tabak und Tee in Reichweite und keine Beleuchtung als den wuchtigen, alten Kerzenständer. Dann lehnt man sich entspannt zurück, betrachtet die mondbeglänzten Fenster, an die der Regen prasselt und schaltet seinen CD-Player ein. Wer jetzt glaubt, es sei zum Lesen zu dunkel, den kläre ich jetzt auf, denn ich empfehle heute zur Abwechslung mal ein Hörbuch: Der Herr der Ringe! Dieses wunderschöne Buch wird sicher schon jeder gelesen haben - und das ist auch sehr gut, denn dann versteht man das Hörbuch viel besser. Zwar ist es für einen so langen Roman sehr ausführlich gehalten, aber kann selbstverständlich nicht auf jedes Detail eingehen. Sage und schreibe 11 CD´s mit einer Spielzeit von über 750 Minuten (das sind über 12 Stunden!) bescheren wirklich eine Menge Freude! Ich höre nun schon seit 2 Wochen jeden Abend bei oben beschriebener Atmosphäre mehrere Episoden und bin immer noch nicht fertig. Vermutlich fange ich nach dem Ende wieder von vorne an, denn das Hörspiel ist wirklich super gelungen. Großartige Sprecher (Gandalf, Frodo, Sam, Gollum...), sparsam und wirkungsvoll eingesetzte Musik sowie eine gelungene Geräuschkulisse runden ein perfektes Hörspielerlebnis ab. Und jetzt die beste Nachricht: das Hörspiel ist ja schon ein paar Jahre auf dem Markt, nur habe ich selbst als alter Mittelerde-Fan schnell jedes Interesse verloren, da es immer 278,- DM kostete. Ich denke, selbst diesen Preis war es wert, aber mir war es, wie vielen anderen einfach zu viel. Mittlerweile ist es aber schon für unter 50,- Euro zu haben - und das ist für das qualitativ ausgezeichnete und auch sehr umfangreiche Hörspiel mehr als gerechtfertigt! zurück zur Übersicht |
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"Die Himmlischen und ihre Kinder" Michael George |
Das musste ja schief gehen. Auf rund 450 Seiten versucht der Autor Michael George so gut wie alle Rätsel der Menschheitsgeschichte zu lösen - und das zumeist auf der Grundlage von Vermutungen. Aber obwohl ich von dem Werk alles andere als überzeugt bin, möchte ich es hier trotzdem unbedingt vorstellen, denn sowohl Thema als auch Fazit des Buches sind höchst ungewöhnlich und in gewisser Hinsicht auch neu. Das Buch ist deshalb sehr interessant und durchaus lesenswert, auch wenn ich selten einer Meinung mit dem Autor bin. Herr George greift die alte Sitchin-Story von den Annunaki auf und macht seine eigene Schöpfungsgeschichte daraus, indem er alle wichtigen Kulturen der Welthistorie aus den Geschehnissen im alten Sumer ableitet. Aber der Reihenfolge nach: Meine allererste Erkenntnis aus dem Buch hilft vielleicht den jungen Autoren unter uns, die die geforderte Seitenzahl ihres Verlags partout nicht zusammenbekommen. Da hab ich einen guten Tipp: Man setzte einfach hinter fast jeden Satz nicht bloß einen Absatz, sondern gleich eine ganze Leerzeile! Und schon hat das Buch gute 50 Seiten mehr und man kann auch gleich mehr Geld dafür verlangen! Tolle Idee, praktiziert in "Die Himmlischen und ihre Kinder". Das Werk beginnt seltsamerweise mit einem Kapitel, dass lediglich aus einer Aneinanderreihung archäologischer Kuriositäten besteht, die mit dem Inhalt des Buches wenig bis gar nichts zu tun haben. Anscheinend will der Autor damit seine Thesen untermauern - aber was ein 60 Millionen Jahre alter Holzhammer oder ein 195 Millionen Jahre alter Fußabdruck mit den außerirdischen Annunaki zu tun haben, die nach Aussage des Autors erst vor knapp einer halben Millionen Jahren auf der Erde auftauchten, habe ich einfach nicht begriffen. Die nächsten Kapitel sind eine geraffte Zusammenfassung von Sitchins Klassiker "Der zwölfte Planet". Vor 343.000 Jahren erschufen Außerirdische die ersten Menschen, weil sie zu faul waren, um selbst zu arbeiten. Sie erschufen Atlantis und scheinen auch für dessen Vernichtung verantwortlich zu sein - als Quellen für die Existenz von Atlantis gibt Michael George lediglich Plato an (welch Überraschung), für seine Vernichtung die "Chronik von Akakor", ein mehr als umstrittenes Buch vom ZDF-Reporter Brunner. Ach ja, und die Annunaki sind auch die Herren von Atlantis gewesen, weil sie "die einzigen waren, die dafür in Frage gekommen wären". Punkt. Tolle Beweisführung. Sie erbauten natürlich auch die Pyramiden, lösten gleich mehrere Sintfluten aus und tauchen später in allen Religionen dieser Welt auf - nur immer unter anderem Namen. Kennt ihr Ham? Das ist der Sohn des netten Arche-Bastlers Noah aus der Bibel. Ja und dieser Ham ist identisch mit dem nordischen Göttervater Odin und auch mit Kronos, dem Vater des Zeus. Sagt George. Warum? Weil das seine Spurensuche so ergeben hat. Punkt. Und deshalb ist Odins Vater Bor natürlich auch identisch mit Noah - und der ist gleichzeitig Uranos, und der war ja gewissermaßen der Opa von Zeus, dem griechischen Göttervater. Muss ja so sein. Das leitet Herr George mal eben aus ein paar Stammbäumen ab und bezeichnet diese bahnbrechende Entdeckung zurecht als Sensation. Ach ja, und Herkules, der starke Grieche ist in Wirklichkeit der germanische Donnergott Thor. Wenn man einmal damit angefangen hat, ist es ganz einfach. Der Autor setzt einfach jeden wichtigen Annunaki irgendeiner berühmten Person aus einer anderen Kultur (egal ob griechisch, germanisch, ägyptisch, indisch oder sumerisch) gleich und leitet alles andere daraus ab. Mit diesem fröhlichen Zuordnen vergeht der Rest des Buches. Nicht sehr hilfreich ist es, dass der Autor seine Götter immer so nennt, wie es ihm gerade passt, so dass aus dem ohnehin schon völlig unübersichtlichen Wust hunderter Namen eine völliges Chaos wird. Ich musste das Buch deshalb gleich zweimal lesen - und das, obwohl ich mich in den meisten der dort erwähnten Religionen ganz passabel auskenne. Und wenn man von den 450 Seiten diese ganzen freien Zeilen wegnimmt, den 50seitigen Anhang abrechnet, die vielen, oft unwichtigen Bilder weglässt und die ewig langen, aus der "Akakor-Chronik", von Sitchin oder aus EDDA und Bibel abgeschriebenen Passagen vernachlässigt, bleiben nur noch ein paar Seiten an Eigenleistung des Autors übrig - und die müssen gut bezahlt werden, denn das Buch kostet satte 22,00 Euro! Okay, insgesamt klingt meine Rezension jetzt wie ein totaler Verriss - aber vielleicht kann der eine oder andere doch noch etwas wertvolles aus dem Buch herausziehen. Das Fazit des Buches (alle Götter haben einen einzigen Ursprung) ist auf alle Fälle so ziemlich einzigartig und sehr faszinierend, auch wenn George mit seiner dünnen Argumentation dem hohen Anspruch seiner Thesen zu keinem Zeitpunkt gerecht werden kann. Wer sich aber für Nibiru und für Religionen allgemein interessiert und auch vor den abgefahrensten Thesen nicht zurückweicht, sollte mal einen Blick riskieren. Das Buch ist jedenfalls ungewöhnlich genug, um es hier vorzustellen und Georges Denkansatz ist trotz allem zumindest nachdenkenswert. zurück zur Übersicht |
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"Hiroshima" E. Tashiro |
Dieses Buch ist so entsetzlich, dass man danach kaum noch ein Auge zumachen kann. Beim Hören des Namens "Hiroshima" winkt man ja schon nur noch ab, man hat es zu oft gehört. Aber was weiß man wirklich darüber? Ich dachte vor dem Lesen des Buches auch, das Wichtigste über den Atombombenabwurf zu wissen - und war schon nach wenigen Seiten völlig entsetzt. Der größte Teil des Buches ist angefüllt mit Interviews von Augenzeugen und Überlebenden (meist nur kurze Zeit Überlebende...) und ist so schonungslos und schrecklich, dass ich es nicht als Lektüre zum Frühstück empfehlen würde. Aber die expliziten Beschreibungen sind richtig so, da wird nichts beschönigt, so kann man sich ein Bild machen von der Unmenschlichkeit diese Vernichtungsaktion. Gegen Ende des Werkes wird dann noch über die Gefahr von Atomkraftwerken berichtet, es ist eine Chronologie von "Errungenschaften" und Pannen mit Atomwaffen beigefügt und auch noch ein Szenario über die Wirkung eines fiktiven Kernwaffenangriffs auf Hamburg. Das "Highlight" sind aber die Berichte der Augenzeugen. Einfach unfassbar die Ratlosigkeit (niemand ahnte etwas über die Wirkung von Atomwaffen) und Naivität der Opfer, die blind in den Tod rannten, der tödliche, schwarze Regen, der 90 km (!) hohe Atompilz über der Stadt, die Tausenden getöteten Gefangenen aus Korea, China oder Amerika, das riesige Krankenhaus des ABCC, dass den Menschen nicht half, sondern nur die Auswirkungen untersuchte und Experimente mit ihnen anstellte, die Schatten, die die verdampften Menschen auf dem Granit hinterlassen haben, verstrahlte, alte Zeitungen als Verbandsmaterial, schreckliche Einzelschicksale, ich kann das alles gar nicht weiter beschreiben. Auch über Nagasaki wird berichtet, wo die Bombe genau über der größten katholischen Kirche Ostasiens detonierte und "die Betenden zu Asche erstarren ließ". Übrigens: Wusste jemand, dass eine heutige Atombombe bis zu 4400 mal stärker sein kann als die Hiroshima-Bombe und damit die 58fache Sprengkraft hat wie alle im 2. Weltkrieg über Deutschland abgeworfenen Bomben zusammen? Und eines sollte man nie vergessen: Nur ein Land war bisher so wahnsinnig, dieses Zeug gegen Menschen auch wirklich einzusetzen. zurück zur Übersicht |
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"Hitlers Bankier" John Weitz |
Heute ein Buch, über dass bisher kaum etwas zu hören ist und dass trotzdem so interessant und bedeutsam ist, dass ich es unbedingt hier vorstellen möchte: "Hitlers Bankier" von John Weitz. Das Werk ist ein Sachbuch und behandelt das Leben von Hitlers Finanzexperten Hjalmar Schacht, der bis heute fast völlig unerwähnt geblieben ist, obwohl er eine der bedeutensten Gestalten der deutschen Geschichte war. Das Buch behandelt seinen ganzen Werdegang von Geburt an, seine finanzpolitischen Winkelzüge und auch einige Anekdoten und ist nicht nur äußerst unterhaltsam und lesenswert, sondern auch historisch gesehen Pflichtlektüre. So erfährt man auch die gesamten Hintergründe zur Weltwirtschaftskrise und wie sie letztendlich beendet werden konnte und wie Schacht dabei zum "Retter Deutschlands" wurde ("Wer hat die Rentenmark gebracht? Der Retter, er heißt Hjalmar Schacht!") Der Leser erfährt, wie Schacht Reichsbankpräsident wurde, wie er Hitler persönlich kennengelernt hat (übrigens nannte er Hitler immer nur "Herr Hitler", statt "Mein Führer" oder "Heil...", wie es sonst üblich war), dass er nie Mitglied der NSDAP war und wie er in Ungnade fiel und sogar kurz ins KZ kam. Am interessantesten die Artikel über Schachts Geldbeschaffungsideen und wie er die Mefo-Wechsel einführte, die die Wirtschaft ankurbelten und Hitler die Finanzen für seine Pläne beschafften. Auch erfährt man recht detailliert, mit welchen brillianten Schachzügen Schacht die Mittel beschaffte, die Hitler letzendlich halfen, die Arbeitslosenzahlen von 6 Millionen vor der Machtübernahme bis zur Vollbeschäftigung zu verringern, wo das Geld für die Rüstung und die Autobahnen herkam usw. Auch geht es um die Nürnberger Prozesse, wo Schacht neben Fritzsche und von Papen als einziger freigesprochen wurde und um sein bewegtes Leben nach dem Krieg, wo er zum Beispiel als Finanzberater in Indonesien und in Ägypten tätig war! Das gebundene Buch ist über 470 Seiten dick, sowohl fesselnd als auch informativ geschrieben und kostet im Laden um die 15,- Euro. zurück zur Übersicht |
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"Der Holcroft-Vertrag" Robert Ludlum |
Robert Ludlum war ein typischer Vielschreiber, ein Autor von amerikanischen Thrillern, Dutzendware, die sich aber gut verkauft hat. Der 2001 verstorbene Ex-Schauspieler schrieb erst im Alter von 44 Jahren seinen ersten Roman, der aber gleich auf Anhieb Platz eins der Bestsellerlisten stürmte. Nun, ich interessiere mich herzlich wenig für amerikanische Thriller und eigentlich hätte ich wohl niemals ein Buch von Ludlum zur Hand genommen, wenn ich nicht in dem fantastischen Werk "Machtwechsel auf der Erde" von Armin Risi ein paar Zeilen zu Robert Ludlum und seinem Buch "Der Holcroft-Vertrag" gefunden hätte. Und diese paar Zeilen waren so interessant, dass ich mir das Buch besorgt und durchgelesen habe und es auch gleich hier vorstellen möchte! Um es gleich vorwegzunehmen: "Der Holcroft-Vertrag" hat literarische Schwächen. Er ist sehr reißerisch geschrieben und strotzt nur so vor Klischees und vor billigem Action. Typisch amerikanisch eben. In einem Punkt allerdings hat Mister Ludlum einen lichten Moment gehabt, nämlich in der Story: Der amerikanische Architekt Noel Holcroft erfährt, dass sein leiblicher Vater im 3. Reich 780 Millionen Dollar beiseite geschafft hat, die nun, 30 Jahre später, an die Nachkommen der Testamentsverfasser ausgezahlt werden. Sie sollen damit die Opfer der Nazizeit entschädigen. Als kurze Zeit später die ersten Morde geschehen, beginnt Holcroft zu ahnen, was der Leser schon aus dem "Prolog" des Buches erfahren hat: An der Geschichte scheint etwas nicht zu stimmen! Das Geld ist nämlich keinesfalls für die Opfer des 3. Reichs gedacht, sondern für den Aufbau des 4. Reichs! Der Autor hat in die Geschichte sehr geschickt die Absatzlegende mit eingebaut - die berühmte Geschichte, dass sich die Elite des Dritten Reichs kurz vor Kriegsende an geheime Orte absetzen konnte! Schon auf den ersten Seiten des Buches findet dazu ein sehr interessantes, fiktives Gespräch zwischen zwei deutschen Offizieren statt - im März 1945 an einem deutschen U-Boot, das zum Auslaufen bereit ist. Ich zitiere auszugsweise: "Das ist der Anfang.[...] Man hört es von überall. Aus den Häfen, von Gebirgspässen, den noch verbliebenen Flugplätzen im ganzen Reich. Zu Tausenden ziehen sie hinaus. In jeden Teil der Welt. [...] Das Dritte Reich liegt im Sterben. Die da werden seine Wiedergeburt sein. Die da sind das Vierte Reich. Frei von Mittelmäßigkeit und Korruption. Die da sind die Sonnenkinder. Auf der ganzen Welt. [...] Sie sind die Kinder der Verdammten. So wie Millionen das sein werden. Aber die da sind auserwählt. Und sie werden überall sein." Was so vielversprechend klingt, wird in der Folge nicht immer brillant umgesetzt. Was allerdings verbleibt, sind über 570 spannende Seiten ohne literarischen Tiefgang mit dennoch hohem Unterhaltungswert. Auch wenn dieser pro-amerikanische Roman eigentlich nicht mein Geschmack ist - bei dieser Hintergrundstory MUSSTE ich den unbedingt vorstellen. Übrigens hat Ludlum bisher insgesamt über 200 Millionen Bücher verkauft, vermutlich finden ihn andere also besser als ich. Das Ende ist übrigens keineswegs vorhersehbar und bei der reizenden Sonnenkinder-Geschichte hätte das Buch meinetwegen sogar noch deutlich schlechter geschrieben sein können. zurück zur Übersicht |
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"Hüter der Pforten" H.P Lovecraft u.a. |
Als der große H.P Lovecraft im Jahre 1937 starb, hinterließ er in seinem Testament die Anweisung, dass andere, die nach ihm kämen, seine Geschichten fortführen und weiterschreiben sollten. Diesem Ruf sind bis heute viele gefolgt - die besten Erzählungen daraus gibt es jetzt in dem Buch "Hüter der Pforten" zu lesen. "Hüter der Pforten" ist rabenschwarzer, intelligenter Horror - soviel als Warnung vorneweg. Doch anstelle blanker Schockeffekte oder banaler Monstergeschichten geht Lovecraft viel weiter! Er spricht den Grusel selten aus, sondern arbeitet subtil mit einer geradezu atemberaubenden Sprachgewandtheit. Und darüber hinaus steckt hinter seinen Geschichten eine ganze, von im erschaffene Mythologie, die fast schon einen religiösen Charakter aufweist. Kerngeschichte des Buches ist natürlich die berühmte Geschichte "Cthulhus Ruf" vom Meister höchst selbst. Ein Wissenschaftler entdeckt, dass in uralten Zeiten eine monströse Rasse unfassbarer Sternenwesen auf die Erde kamen. Im Laufe der Geschichte kristallisiert sich heraus, dass eines der Wesen, Cthulhu, noch immer zu existieren scheint und in seiner versunkenen, vieldimensionalen Zyklopenstadt R´lyeh träumend wartet. Wie immer in seinen Erzählungen berauscht sich Lovecraft am Schauder archaischer Epochen, an vergessenen Ruinen und schürt die Urängste der Menschen. Darüber hinaus besitzt er eine so lebendige Sprache und nimmt sich soviel Zeit, dass man die schaurigen Stätten förmlich vor sich sieht, man kann sich jedes Detail wirklich bildhaft vorstellen. So etwas ist in der Literatur ganz selten! Der Reiz besteht darin, dass der Leser am Ende glaubt, das alles, was er bisher zu wissen glaubte, sogar die selbstverständlichsten Dinge, ihre Gültigkeit verloren haben. Man fühlt sich mitsamt der ganzen Menschheit klein und verloren - und die Gründe dafür werden nur so vage angesprochen, dass der Hauptteil des Horrors immer nur der Fantasie des Lesers entspringt. Ich glaube daher auch, dass jeder den Grusel anders empfinden wird und dass die Geschichte auf jeden eine andere Wirkung hat, wenn er nur genügend Fantasie hat. Es sind noch über 20 andere Erzählungen im Buch, bei der mehr oder weniger begabte Schriftsteller dem Ruf Lovecrafts gefolgt sind und seinen "Cthulhu-Zyklus" weitergesponnen haben - darunter auch bekannte Namen wie Steven King (den ich persönlich nicht sonderlich schätze) oder Philip Jose Farmer. Natürlich erreicht keine der anderen Erzählungen die Qualität Lovecrafts, sie sind aber durchweg interessant zu lesen. Highlight der Sammlung ist neben "Cthulhus Ruf" eine weitere Geschichte des Meisters mit dem Titel "Der leuchtende Trapezoeder". Wer sich von Lovecrafts Stil einfangen lassen will, dem empfehle ich übrigens auch noch die Geschichtensammlung "Stadt ohne Namen", ein (äußerlich) unscheinbares Büchlein mit seinen interessantesten Geschichten über vergessene Stätten mit Reptilienmenschen, unterirdischen Kulturen und Schlangenkulten. DAS Meisterwerk von ihm schlechthin ist aber sein Werk "Die Berge des Wahnsinns". Das ist aber so gut, dass es wert ist, hier separat vorgestellt zu werden. Allen Gegnern von Horrorliteratur möchte ich noch eins mit auf den Weg geben: Klar ist Lovecraft nichts für "Zartbesaitete" - aber sein Horror ist nicht wie bei fast allen Schriftstellern nur Mittel zum Zweck, er ist nicht der Grund für seine Bücher. Der Horror ergibt sich erst zwangsläufig aus den Inhalten! Es gibt keine billigen Schockeffekte, sondern seine Story, seine Handlungsstränge sind so groß, so mystisch, so archaisch, dass der Horror ein sich zwangsläufig ergebener Zusatzeffekt ist! Lovecraft ist mittlerweile selbst zum Mythos geworden und viele seiner Bücher (gerade "Cthulhus Ruf" und vor allem auch das "Necronomicon") werden heute so ehrfürchtig gelesen und gedeutet, dass sie fast schon zu einer Wahrheit, zu einer vergessenen Religion geworden sind! Seine Geschichten sind erstaunlich realistisch gewebt, dass auch ich beim Lesen mehrere Male gebannt innegehalten und mich gefragt habe: "Was, wenn er recht hat?" DAS ist für mich anspruchsvolle Unterhaltung! Für alle mit starken Nerven auf der Suche nach neuen Ideen lautet meine heutige Empfehlung: "Hüter der Pforten"! 850 Seiten für 9,- Euro sind auch viel Buch fürs Geld - die ISBN lautet: 3404148770. zurück zur Übersicht |
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"Die Hüter der Rose" Rebecca Gable |
Heute mal wieder ein historischer Roman – nicht unbedingt mein Lieblingsgenre, aber für die großartige Autorin Rebecca Gable mache ich da gern eine Ausnahme. Ihr neuestes Buch „Die Hüter der Rose“ hat all das, was einen herausragenden historischen Roman ausmacht: eine fesselnde, teils tragische, teils romantische Handlung und eine malerische Beschreibung seiner Zeit – in diesem Fall des anbrechenden 15. Jahrhunderts. Schauplatz sind England und Frankreich und das nahe Ende des Hundertjährigen Krieges zwischen den beiden Nationen. Der Protagonist John of Waringham verlässt als Kind sein Elternhaus und gelangt an den Hof des englischen Königs Harry (Henry V.), wo er schnell die Karriereleiter emporklettert. Sein dramatisches Leben zwischen Krieg, Liebe, Gefangenschaft, Tod, Folter und Hoffnung ist das zentrale Thema des Werkes. Währenddessen erlebt der Leser den überraschenden Tod des engagierten, jungen Königs Harry und die Inthronisation seines erst acht Monate alten Nachfolgers. John of Waringham und seine Gefolgsleute erhalten den Auftrag das Kind zu behüten und vor Verrat und Intrigen schützen, bis es eines Tages eigenverantwortlich regieren kann. Die Männer dieser Leibgarde sind die namensgebenden „Hüter der Rose“. Das schwere, gebundene Buch hat weit über 1.200 Seiten – aber der lebendige, spannende Schreibstil der genialen Autorin lässt zu keiner Minute Langeweile aufkommen. Es ist übrigens der zweite Teil einer Trilogie, von der jedes Buch als eigenständiger Roman steht. Teil eins war der Bestseller „Das Lächeln der Fortuna“ aus dem Jahr 1997. „Die Hüter der Rose“ erschien dann im Herbst 2005 und alle Historienfans warten nun gespannt auf den dritten Teil, der irgendwann in den nächsten Jahren erscheinen soll. Und noch etwas Bemerkenswertes: Rebecca Gable schafft es immer wieder, sowohl ihre fiktiven als auch die historischen Gestalten so liebevoll und detailliert darzustellen, dass man unmöglich sagen kann, welche ihrer Figuren geschichtlich belegt ist und welche von ihr erdacht wurde. Das ist ganz große Literatur. Das Buch kostet 24,90 Euro – ein stolzer Preis, aber man erhält einen adäquaten Gegenwert, der den interessierten Leser – gut eingeteilt – einige Wochen beschäftigen sollte. zurück zur Übersicht |
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"Hyperion" Dan Simmons |
Ich erhalte häufig E-Mails zu meinen Rezensionen; meist Buchempfehlungen. Da ich unmöglich alle empfohlenen Bücher lesen kann, gehe ich anschließend nach einem bestimmten Schema vor: ich notiere mir die Bücher, die am interessantesten klingen, schau mir die Kundenrezensionen bei Amazon an und versuche sie dann zunächst in der Bibliothek meines Vertrauens oder bei Ebay zu ergattern. Allerdings ist es wirklich sehr selten, dass ich aufgrund eines einzigen Mailtipps wirklich ein Buch kaufe. Kurz vor Weihnachten erhielt ich eine solche Mail von einem mir unbekannten Science Fiction Fan, der mir wärmsten das Buch "Hyperion" von Dan Simmons empfahl. Es sei der beste SF-Roman aller Zeiten, sogar inklusive des legendären "Wüstenplanet" von Herbert! Ich hielt das für eine maßlose Übertreibung, schlug dann aber doch neugierig bei Amazon nach. Und siehe da - ich hatte noch niemals eine derartige Ansammlung von Superlativen gesehen wie bei diesen 51 Kundenrezensionen zu "Hyperion"! Es gab sogar Leute, die versprochen haben, nach diesem Buch nie wieder etwas zu lesen, weil kein Buch besser als dieses sein könne! Schaut ruhig selber mal nach, ist echt der Hammer. Natürlich hab ich mir "Hyperion" sofort gekauft - und beim Thema Kauf muss ich bei diesem Buch gleich auf eine Besonderheit aufmerksam machen. "Hyperion" heißt nur der erste Teil, es gibt noch einen zweiten Band namens "Das Ende von Hyperion". Und den muss man einfach ebenfalls lesen, weil man die Geschichte sonst nicht richtig versteht, aber dazu später mehr. Der Einfachheit halber empfehle ich den Kauf von "Die Hyperion-Gesänge", denn diese enthalten beide Teile in einem einzigen Buch! Ich persönlich halte Hyperion zwar nicht für den besten SF-Roman aller Zeiten, aber in EINEM Punkt haben die ganzen begeisterten Simmons-Fans recht: soviel Ideenreichtum und sprachliche Gewandtheit finden sich in diesem Genre sonst kaum. Selbst wenn SF immer aus viel Fantasie besteht - SOVIEL Fantasie ist wirklich selten. Simmons hat eine unglaubliche Welt erschaffen, ein Universum von über 200 besiedelten Welten, die durch einfache Portale jederzeit von überall her betreten werden können! Man kann jede Minute andere Planeten besuchen, es gibt sogar einen Fluss, der durch diese Portale auf mehreren Welten zugleich fließt und manche Menschen haben Häuser, in denen sich jedes Zimmer auf einem anderen Planeten befindet. Es gibt fantastische Technologien, bizarre Religionen, bezaubernde Welten, die vom Autor mit Eleganz und Einfallsreichtum zum Leben erweckt werden. Doch dieses Universum in ferner Zukunft, dass kaum noch Fragen und Rätsel kennt, hat einen Haken: den Planten "Hyperion". Auf Hyperion gibt es zwei Besonderheiten: Erstens die "Zeitgräber", mysteriöse, gigantische Grabanlagen, von denen niemand weiß, wer sie erschaffen hat und die sich rückwärts in der Zeit bewegen. Und zweitens das SHRIKE! Das Shrike ist der "Meister der Schmerzen", ein unbekanntes, halbmechanisches Wesen, dass auftaucht und verschwindet und dabei schreckliche Bluttaten anrichtet. Keiner kann es bekämpfen, ja nicht mal erklären. Manche erfüllt es mit Schrecken, manche pilgern gar zu ihm (ohne zurückzukommen) - es gibt sogar die "Kirche des Shrike", in der das Wesen als Gott verehrt wird. Im ersten Teil werden sieben Pilger auserwählt, die das Shrike aufsuchen und dieses Rätsel lösen sollen. Das gesamte erste Buch (fast 600 Seiten) hindurch befinden sich diese Pilger auf dem Weg nach Hyperion und ein jeder von ihnen erzählt seine eigene, unglaubliche Lebensgeschichte, von der jede einzelne einen eigenen, fantastischen Roman wert gewesen wäre. Nur zwei Beispiele: Einer der Pilger hat ein Baby bei sich - seine Tochter. Dieses Baby war einmal eine junge Forscherin, die sich nach einer Übernachtung in den seltsamen Zeitgräbern eine unbekannte Krankheit zugezogen hat, die sie immer jünger, also sozusagen rückwärts ältern lässt. Er erhofft sich vom Shrike Heilung, denn der Tag ihrer "Geburt" rückt immer näher. Oder ein anderer Pilger, ein Pfarrer, der von einer parasitären Lebensform befallen wurde, die ihn nach dem Tod immer wieder auferstehen lässt. Das klingt toll, aber er erleidet einen schrecklichen Unfall, bei dem er in einem Feuer aufgespießt wird und sieben schreckliche Jahre lang darin stirbt, wieder aufersteht, sofort wieder stirbt, wieder aufersteht und immer so weiter ... Teil eins endet ausgerechnet damit, dass die sieben Pilger beim Shrike eintreffen! Das ist sehr gemein und deshalb MUSS man Teil zwei gleich dabei liegen haben, um sofort weiterlesen zu können! Und dieser zweite Teil erfährt noch eine weitere Steigerung der Spannung, denn die Heimatwelten der Menschheit werden von den geheimnisvollen Schwärme der "Ousters" angegriffen. Die "Ousters" versuchen in das Netz der Portale einzudringen, um eine Invasion auf allen 200 Menschenwelten zu beginnen. Und weil in einem Universum ohne Rätsel und ohne unbekannte Werte alles so klar ist, dass man sogar die Zukunft vorhersagen kann, bekommt der Auftrag der Pilger eine zusätzliche Brisanz! Denn "Hyperion" ist in diesem Weltall die einzige Variable ... Ich will gar nicht noch mehr dazu schreiben, diese Buchvorstellung ist ohnehin schon viel zu lang geworden. Für SF-Fans, die das tumbe Geballer des Starwars-Universums und seiner ungezählten literarischen Klone satt haben, ist "Hyperion" eine Offenbarung. Superoriginell, sehr spannend, manchmal auch recht heftig, aber niemals langweilig. Simmons wechselt ständig die Erzählperspektiven, passt sich in der Wortwahl den Pilgern an, die gerade berichten und macht die Geschichte damit noch echter, noch beklemmender, als sie ohnehin schon ist! Von der Qualität stufe ich die Bücher knapp hinter Lem, Herbert und Strugazki ein - aber aufgrund der Originalität ist Hyperion dennoch ein Meilenstein der SF-Geschichte! Ach ja, die beiden Hyperion-Teile kosten jeweils 15,- Euro. Wer möchte, sollte daher gleich "Die Hyperion-Gesänge" kaufen, denn dann hat man die ganze Geschichte komplett auf über 1200 Seiten und muss dafür ebenfalls nur 15,- Euro über die Ladentheke schieben! zurück zur Übersicht |
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